Seit dem Mittelalter als Altar- und Andachtsbild in der abendländischen Kunst von zentraler Bedeutung, erfährt das Triptychon Ende des 19. Jahrhunderts als Bildformat eine erstaunliche Wiederbelebung: einige Künstler knüpfen an das christliche Leidensmotiv an, andere laden säkularisierte Themen mit der ›Pathosformel‹ auf. Unter dem Eindruck der beiden Weltkriege und des damit verbundenen menschlichen Leids haben sich vor allem Otto Dix, Max Beckmann und Francis Bacon mit dieser Bildgattung auseinandergesetzt. Auch viele zeitgenössische Künstler, darunter Gerhard Richter, Jonathan Meese, Damien Hirst oder Isa Genzken, wählen das Triptychon als traditionsgeladenes und dennoch höchst reizvolles Format, das Offenheit und Geschlossenheit zulässt. Ist dies Zeichen einer neu erwachten Sehnsucht nach Spiritualität oder nach einer Vollkommenheit, die letztlich im Streben nach dem – lange verpönten – ›Meisterwerk‹ ihren Ausdruck findet?
Mit der großen Sonderausstellung »Drei. Das Triptychon in der Moderne« widmet das Kunstmuseum Stuttgart diesem prominenten Bildtypus erstmalig eine umfassende Werkschau. Gezeigt werden 60 Triptychen, darunter internationale Leihgaben aus Tokio, New York, Washington, Barcelona, Zürich, Rom, Paris und London.

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Mit Adolf Hölzel beginnt ein neues Kapitel der modernen Malerei. Der 1853 in Olmütz (Mähren) geborene und 1934 verstorbene Künstler zieht 1905 nach Stuttgart und entwickelt einen eigenständigen Weg zum modernen Bild. Nicht so sehr die völlige Gegenstandslosigkeit ist das Ziel dieses künstlerischen Ansatzes; vielmehr gilt es, der eigentlichen Natur des Bildes als einer »mit Farbe bedeckten Fläche« (Maurice Denis) zu entsprechen. Hölzel agiert hier parallel zu Bestrebungen in ganz Europa: jenen von Wassily Kandinsky, Piet Mondrian oder Robert Delaunay. Seine neuen Bildlösungen erinnern an ein Kaleidoskop, bei dem der Künstler die Vielfalt der Farben und Formen im Bild zur Einheit werden lässt. Übermittelt von den Hölzel-Schülern Johannes Itten und Oskar Schlemmer am Bauhaus sowie Willi Baumeister werden des Meisters Gedanken zur Kunst zu einer theoretischen Grundlage der Moderne für folgende Generationen. Zu Adolf Hölzels 75. Todestag beleuchtet das Kunstmuseum Stuttgart, das die weltweit bedeutendste Hölzel-Sammlung besitzt, in der Ausstellung »KALEIDOSKOP. HOELZEL in der Avantgarde« auf 1.000 Quadratmetern die Bedeutung seines Werkes für die Kunst unserer Epoche. 220 teilweise erstmals zu sehende Arbeiten, darunter Landschaften und Figurenbilder aus Dachau, Pastelle, Glasfenster, die berühmte Rote Serie und Papierarbeiten sowie Teile seines kunsttheoretischen Nachlasses aus der Staatsgalerie Stuttgart präsentieren einen der Pioniere der Avantgarde von europäischem Rang.

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Drei Jahre lang hat sich Ben Willikens intensiv mit Leonardo da Vincis Abendmahl im ehemaligen Dominikanerkloster Santa Maria delle Grazie in Mailand befasst. Am Ende dieses künstlerischen Dialogs standen 1979 zahlreiche Entwürfe und ein monumentales Tafelbild, das erstmals nach fast 30 Jahren wieder in Stuttgart gezeigt wird. Ohne Jünger und Christusfigur oder andere erzählerische Elemente reduziert sich die biblische Szene auf eine konzentrierte Licht-Raum-Architektur, die das kunsthistorische Vorbild verdichtet und seine Botschaft für den zeitgenössischen Kontext öffnet.
In der Ausstellung wird zudem die vollständige Serie »ORTE« zu sehen sein. Willikens befasst sich hier erstmals mit realer Architektur, mit Bauten in Nürnberg, Berlin und München, die in den 1930er Jahren geschaffen wurden, um den Allmachtsfantasien des NS-Regimes Gestalt zu verleihen. Aller Machtinsignien beraubt, offenbaren sie ihren todbringenden Charakter: Ins Zentrum rückt das Dunkel, hinter dem unausweichlich Tod und Verderben warten. Die in den Jahren von 1996 bis 1999 entstandene Serie – zehn Leinwände und 15 Gouachen – wurde von der »Daimler Kunst Sammlung« für das Kunstmuseum Stuttgart erworben und diesem als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt.

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Der 2007 verstorbene Galerist und Sammler Heinz Teufel war einer der großen Förderer der Konkreten Kunst in Deutschland. Seit der Eröffnung seiner ersten Galerie im Jahr 1966 in Koblenz bis zu seiner Berliner Zeit 1998 verfolgte er konsequent sein strenges Galerieprofil - unabhängig von den wechselnden Moden des Kunstbetriebs. Seine in dieser Zeit zusammengetragene Sammlung Konkreter Kunst mit Arbeiten von 46 international renommierten Künstlern befindet sich seit 2004 als Dauerleihgabe im Kunstmuseum Stuttgart. Dieses Konvolut aus rund 200 Gemälden, zahlreichen Skulpturen und umfangreichem Grafikbestand ermöglicht einen Überblick über das Konkrete Schaffen nach dem Zweiten Weltkrieg in ganz Europa. Die besondere Qualität der Sammlung liegt in der Berücksichtigung osteuropäischer ebenso wie italienischer und französischer Positionen, die es selten in Museen zu sehen gibt. Künstler wie Aurelie Nemours, Zdenek Sýkora, Antonio Calderara, aber auch die »Schweizer Klassiker« wie Max Bill und Richard Paul Lohse sind mit herausragenden Werken vertreten. Anlässlich der ersten umfangreichen Sammlungspräsentation erscheint ein vollständiger Bestandskatalog der Sammlung Heinz und Anette Teufel.

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Die Fotografien von Elger Esser wirken wie ein Déjà-vu: seine magischen Bilder von Flusslandschaften, Brücken, Dörfern und Meeresküsten rufen vage Erinnerungen wach, selbst wenn man nie an einem der Aufnahmeorte gewesen ist. In bewusster Anlehnung an Marcel Proust begibt sich der 1967 in Stuttgart geborene Künstler in seinen poetisch-melancholischen Fotografien immer wieder auf die »Suche nach der verlorenen Zeit«.
Auch in der Wahl seiner fotografischen Techniken wirkt Esser dem Vergessen entgegen: Die jüngst entstandenen Heliogravüren, eine fast vergessene Technik des 19. Jahrhunderts, stellt er erstmals im Kunstmuseum Stuttgart und anschließend im Museum voor Moderne Kunst Arnhem vor. In dieser ersten großen Überblicksschau werden rund 50 großformatige Arbeiten des Künstlers präsentiert. Zudem bieten Landschaftsgemälde aus dem 19. Jahrhundert ebenso wie frühe Fotografien aus der Sammlung Herzog einen Zugang zu seinem Werk. Als einer der letzten und jüngsten Absolventen der berühmten Klasse von Bernd und Hilla Becher an der Düsseldorfer Kunstakademie zählt Elger Esser heute zu den wichtigsten deutschen Fotokünstlern.

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