Background

Gego

Gertrud Goldschmidt (Hamburg 1912 – 1994 Caracas, Venezuela), genannt Gego, zählt zu den bedeutendsten Künstlerinnen Lateinamerikas und wurde mit ihren 1969 begonnenen filigranen, netzartigen Rauminstallationen, den Reticuláreas, Vorbild für eine ganze Künstlergeneration. Von 1932 bis 1938 studierte sie Architektur an der Technischen Hochschule Stuttgart bei Paul Bonatz. Als Deutschland für Gego aufgrund ihrer jüdischen Herkunft zunehmend bedrohlich wurde, emigrierte sie 1939 nach Caracas. Nach einer kurzen beruflichen Tätigkeit als Architektin und Möbeldesignerin nahm sie dort ab 1953 ihr künstlerisches Werk auf, mit der Linie als ihrem wichtigsten Ausdrucksmittel.

2014 widmete das Kunstmuseum Stuttgart in Kooperation mit der Hamburger Kunsthalle und dem Henry Moore Institute, Leeds, Gego die monographische Ausstellung »Gego. Line as Object« mit Arbeiten aus allen Werkphasen. Aus diesem Anlass überließ die Fundacion Gego 2017 dem Kunstmuseum 90 Zeichnungen, Aquarelle und Grafiken sowie 10 Objekte aus dem Nachlass als Dauerleihgabe. Verbunden mit der Hoffnung – und vor dem Hintergrund der schwierigen Lage in Venezuela –, dass hier eine Bestandssicherung, Erfassung, Erforschung und Präsentation der Ergebnisse erfolgen kann. Das Kunstmuseum Stuttgart verfügt damit neben dem Museum of Fine Arts, Houston, dem Museum of Modern Art (MoMa), New York, und dem MACBA, Barcelona, als viertes und einziges deutsches Museum über ein großes Konvolut an Arbeiten der Künstlerin.

Forschungsprojekt zur Künstlerin Gego

Das Kunstmuseum Stuttgart, die Universität Stuttgart und die Wüstenrot Stiftung haben 2019 ein gemeinsames Projekt zur Erschließung, Erforschung, Sichtbarmachung und Vermittlung des Werks der Künstlerin Gego begonnen.

Wechselnde Präsentationen von Gegos Arbeiten aus dem Konvolut in einem eigenen Raum des Kunstmuseum Stuttgart verdeutlichen die nahezu unerschöpfliche Themenvielfalt im Œuvre der Künstlerin. Neben der Qualität und Aktualität der Werke sowie der Dringlichkeit, diese zu sichern und aufzuarbeiten, spricht für dieses Forschungsprojekt der lokale Bezug durch Gegos Studium an der Technischen Hochschule Stuttgart vor ihrer Emigration. Es möchte den Anteil des Stuttgarter Architekturstudiums in Gegos Werk auf der Basis der bereits bestehenden Erkenntnisse weiter aufarbeiten.

Zentral für das Forschungsprojekt wird ein gemeinsam durchgeführtes Veranstaltungs- und Ausstellungsprogramm sein, das die Forschungsergebnisse an die Öffentlichkeit tragen wird.

 


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Bild: GegoNEU_um_1978_Kopie_abe43e.jpg
Gego in ihrem Atelier, um 1978, Foto: Ricardo Goldman, © Fundación Gego