Aktuelle gesellschaftliche und politische Themen im Diskurs Gesprächsreihe

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Gesprächsreihe

›Cancel Culture‹- und Identitätsdebatte, Migration und Globalisierung, künstliche Intelligenz und Digitalisierung, Ökologie und Nachhaltigkeit – drei Mal im Jahr werden Künstler:innen, Wissenschaftler:innen und Aktivist:innen eingeladen, Themen zu diskutieren, die noch nicht zu Ende gedacht sind, eine dringliche Relevanz besitzen oder eine Herausforderung darstellen.

Die Gesprächsreihe »mittendrin«, die seit 2021 zusammen mit der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart, dem Institut für Kunstgeschichte der Universität Stuttgart und der Wüstenrot Stiftung ist Leben gerufen wurde, wird ab April 2025 unter dem Titel »kunst kontrovers« fortgeführt. Der neue Titel macht deutlicher, um was es geht: um Kunst und Debatten. 

13 »Körper, Kunst und Klicks«

Körper, Kunst und Klicks – Sex-positiver Feminismus und künstlerische Selbstdarstellungsstrategien auf Social Media

In unserer digitalisierten Gegenwart lasst sich ein neues feministisches Selbstverständnis erkennen: Mithilfe popkultureller Referenzen und einer scheinbar vulgären Bildsprache schaffen es junge Künstler:innen und Kulturschaffende, negative Ideen von Sexualität, Körperlichkeit und Weiblichkeit emanzipatorisch umzudeuten. In dem Podium diskutieren wir, welche Potenziale und Ausprägungen diese zeitgenössische Spielart des Feminismus mit sich bringt und von welcher Kritik – auch innerhalb anderer feministischer Bewegungen – sie begleitet wird.

Mit: Sonja Yakovleva (Künstlerin), Dr. des. Agnieszka Roguski (Kunst- und Performance-Theoretikerin, Staatliche Akademie der Bildenden Künste Stuttgart) und Dierk Höhne (Kurator)

Die Veranstaltung findet am 29.04.2026 im Kunstgebäude statt, in dem das Kunstmuseum Stuttgart ausstellt.

12 »Erinnerung im öffentlichen Raum«

Kunst im öffentlichen Raum richtet sich an alle. Eine ihrer Aufgaben ist es, eine Erinnerungskultur auszubilden, über die sich die Gesellschaft als Gemeinschaft definiert. Deshalb wurden Denkmäler des Nationalsozialismus weitgehend aus dem öffentlichen Raum entfernt. Über den Umgang mit unauffälligeren Werken von Künstler*innen, die sich mit dem NS-Regime arrangiert haben, streitet die Öffentlichkeit jedoch weiter vehement: Kann es zu viel Erinnerung geben, oder falsche? Haben wir zu wenig Diskurs oder den falschen? Und was ist mit zweifelhaften Aneignungen? Gibt es eine richtige Gestaltung der Erinnerungskultur oder viele konkurrierende Möglichkeiten? Gemeinsam mit Wolfgang Brauneis wollen wir über Beispiele aus verschiedenen Städten diskutieren und eine Publikumsdebatte zu den Stuttgarter Denkmälern führen.

Mit: Wolfgang Brauneis (Kunsthistoriker und Kurator), Bettina Kunz (wissenschaftliche Mitarbeiterin, Universität Stuttgart), Kerstin Thomas (Professorin für Kunstgeschichte der Moderne, Universität Stuttgart)

Die Veranstaltung fand am 18.11.2025 an der Universität Stuttgart statt.

11 »Geistiges Eigentum«

»Geistiges Eigentum« – ein Konzept zwischen Idee, Recht und Kreativität. Was bedeutet es, dass Gedanken, Texte, Bilder und Klänge jemandem „gehören“ können? Welche historischen, philosophischen und rechtlichen Grundlagen prägen unser Verständnis davon? Und wie verändert sich dieses Verständnis, wenn Künstliche Intelligenz beginnt, zu produzieren – ungreifbar zwischen bloßer Imitation und Schöpfertum? Vertreter:innen aus Rechtsprechung, Philosophie und Kunst diskutieren über Ursprung und Zukunft des geistigen Eigentums – über Urheberrecht, Besitz und Verantwortung in einer digitalen Welt und über kreative Autorschaft im Zeitalter der Maschine.

Mit: Daniel M. Feige (Professor für Philosophie und Ästhetik, ABK Stuttgart), Ruth Lecher (promovierte Rechtsanwältin, K&L Gates LLP), Michael Lüthy (Professor für Kunstgeschichte der Moderne und der Gegenwart, ABK Stuttgart), Willem Müller (Jurist und Künstler, ABK Stuttgart), Ricarda Roggan (Professorin für Fotografie, ABK Stuttgart)

Die Veranstaltung fand am 01.07.2025 an der ABK Stuttgart statt.

10 »Entsammeln«

Jedes Museum lebt von der Erweiterung seiner Sammlung. Durch Ankäufe und Schenkungen werden die Bestände kontinuierlich ergänzt und neue Sammlungsbereiche erschlossen. Doch was tun mit jenen Kunstwerken, die durch ein sich weiterentwickelndes Sammlungsprofil entbehrlich erscheinen? Oder mit Objekten, deren konservatorische Erhaltung sich schlicht nicht mehr lohnt – weil sie etwa irreparable Defekte aufweisen? Und was passiert, wenn die naturgemäß begrenzten Depotflächen nicht mehr ausreichen? Eine mögliche Antwort wird seit vielen Jahren unter dem Begriff »Deakzession« oder »Entsammeln« diskutiert. Bis heute gibt es allerdings hierfür keine klaren Richtlinien. Das Problem: Entsammeln darf weder dazu führen, dass Museen ihre genuine Aufgabe des Bewahrens von Kulturgütern vernachlässigen, noch, dass Sammeln von Kunst einem Zeitgeist oder Trend folgt.

Mit: Prof. Dr. Dirk Boll (Vorstand bei Christie’s für Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts), Dr. Nina Zimmer (Direktorin Kunstmuseum Bern und Zentrum Paul Klee), Dr. Matthias Mühling (Direktor Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München), Dr. Felix Krämer (Generaldirektor und künstlerischer Leiter Kunstpalast Düsseldorf, Dr. Katharina Garbers-von Boehm (Rechtsanwältin und Partnerin bei onto partners)

Moderation: Dr. Ulrike Groos (Direktorin Kunstmuseum Stuttgart)

Die Veranstaltung fand am 29.04.2025 im Kunstmuseum Stuttgart statt.

09 »(Barriere)Freiheit«

Im Juli dieses Jahres präsentierte der Spielzeughersteller Mattel eine »blinde« Barbie mit Sonnenbrille und Stock und schlägt dadurch in die gleiche Kerbe wie die Gesetzgebung zur digitalen Barrierefreiheit: Menschen mit verschiedenen Fähigkeiten sollen eine Welt vorfinden, in der sie und ihre Körper gleichwertig repräsentiert sind und die ein freies und selbstbestimmtes Leben ermöglicht, nicht bloß einem bestimmten Standard von Befähigung (Ablebodiedness) entgegenkommt. Der Kulturbereich hat dabei noch viel zu leisten, aber zugleich verfügt die Kunst über eine herausragende Kompetenz für die verschiedenen Sinne und ihr Potenzial.

Mit: Fabian Lilian Korner (Blinde*r Kunstwissenschafter*in, Access-dramaturg*in und Inklusionsaktivist*in, Frankfurt a.M.), Charlotte Matter (Kunsthistorikerin, Universität Zürich, Mitbegründerin der Forschungsinitiative ›Rethinking Art History through Disability‹), Barbara Reisinger (Kunsthistorikerin, Universität Stuttgart), Dirk Sorge (Medien- und Konzeptkünstler mit Sehbehinderung, Gründungsmitglied von Berlinklusion, Berlin und Leipzig)

Die Veranstaltung fand statt am 10. Dezember 2024 an der Universität Stuttgart.

08 »Polarisierung«

Vermehrt treffen in Debatten um Kunstwerke Legitimationsparadigmen aufeinander, deren jeweilige Argumente nicht weiter voneinander entfernt sein könnten. Verschärft wird die Polarisierung durch die Verhärtung der Positionen, die eine Zusammenarbeit, ja sogar die Kommunikation zu blockieren scheint. Wolfgang Ullrich bringt zwei dieser einander gegenüberstehenden Konstellationen ins Gespräch: Kehinde Wileys Zyklus »An Archaeology of Silence« mit Dana Schutz’ Gemälde »Open Casket« sowie die Kritik des Autors Ben Davis an den Werken des TikTok-Kunststars Devon Rodriguez. 

Davon ausgehend stellen sich gleich mehrere Fragen: Wie gehören Legitimationsansprüche und Klassismus in diesen Auseinandersetzungen zusammen? Wie sind das eigene Sprechen und institutionelle Politik mit Blick auf eine aufgeheizte Öffentlichkeit fortan auszurichten? Wie viel Stellungsbezug ist sinnvoll? Welche Durchlässigkeit bzw. Grenzen zwischen privater Meinung bis hin zur Sanktion sollen bestehen? Wie viel Dissens gilt es auszuhalten, bevor eine Ausstellung abgesagt, eine Förderung gekürzt, eine Einladung rückgängig gemacht wird? Lässt sich den Dilemmata durch einen Rückzug ins Unpolitische ausweichen?

Mit: Wolfgang Ullrich (Autor, Kulturwissenschaftler und Berater, Leipzig), Michael Lüthy (Professor für Kunstgeschichte der Moderne und der Gegenwart, ABK Stuttgart) und Katharina Neuburger (Akademische Mitarbeiterin, ABK Stuttgart)

Die Veranstaltung fand statt am 28. Mai 2024 an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart.

07 »Gesichter lesen«

Gegenwärtige Bildverarbeitungstechnologien bergen enormes Potenzial, aber auch noch nicht vollends abschätzbare Risiken. Was bedeutet es, wenn Gesichter maschinenlesbar werden, und bearbeitete Bilder immer schwieriger von nicht bearbeiteten zu unterscheiden sind? In ihrem Werk beschäftigt sich die Künstlerin Cemile Sahin mit den Technologien, die in Gesichtserkennungssoftwares und auch bei digitalen Filtern auf Social-Media-Plattformen Verwendung finden. Sie sprach über ihre Arbeit »Alpha Dog«, die sie eigens für das Projekt »Sieh Dir die Menschen an!« am Kunstmuseum Stuttgart entwickelt hat, und die ein gesamtes Stockwerk der Ausstellung einnimmt.

Mit: Cemile Sahin (Künstlerin) und Defne Ayas (Kuratorin)

Die Veranstaltung fand statt am 5. März 2024 im Kunstmuseum Stuttgart.

06 »(Welche) Nachhaltigkeit (in) der Kunst?«

An dem Thema Nachhaltigkeit gibt es heute kein Vorbeibekommen mehr. Internationale Marken werben mit Recyclingmaterial und setzen auf gutes Gewissen als Verkaufsanreiz. Demgegenüber stehen systematische Neukonzeptionen von Verbrauch und Beschaffung von Ressourcen sowie Impulse, das Verhältnis von Mensch und Natur grundlegend zu überdenken. Wie steht die Kunst zu solchen Verhältnisbestimmungen und welche Rolle spielt der Kunstbetrieb hierbei? Welchen Handlungsspielraum haben Künstler:innen, Museen und Kunstwissenschaftler:innen? 

Mit: Hanna Belz (Nachhaltigkeitsmanagerin und Mitglied von Museums for Future, Berlin), Ricarda Roggan (Professorin für Fotografie, ABK, Stuttgart), Maurice Saß (Professor für Kunstgeschichte, Alanus Hochschule, Alfter bei Bonn), Kerstin Thomas (Professorin für Kunstgeschichte der Moderne, Universität Stuttgart)

Die Veranstaltung fand statt am 21. November 2023 an der Universität Stuttgart.

05 »Original und Fälschung«

Wenn Kunstobjekte für schwindelerregende Summen die Besitzer:innen wechseln, stellt sich oft die Frage: Ist das verkaufte Werk echt? Die Kategorien von Original und Fälschung sind allerdings nicht immer leicht zu bestimmen, sind doch oft mehrere Personen an einem Werk beteiligt, oder es existieren unterschiedliche Varianten. Und selbst der berüchtigte Fälscher Wolfgang Beltracchi hat nicht bloß Gemälde kopiert, sondern neue 'Originale' fabriziert. Wer entscheidet zwischen Original und Fälschung und wo liegen die rechtlichen und ideellen Grauzonen?

Mit: Hubertus Butin (Kunsthistoriker, Berlin), Henry Keazor (Professor für Neuere und Neueste Kunstgeschichte, Universität Heidelberg), Katharina Neuburger (Akademische Mitarbeiterin für Kunstgeschichte der Moderne und der Gegenwart, ABK Stuttgart)

Die Veranstaltung fand statt am 19. April 2023 an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart.

04 »Poor Intelligence«

Kunst nimmt oft seismografisch Entwicklungen vorweg - etwa dann, wenn es um die kulturellen und sozialen Auswirkungen neuer digitaler Technologien geht. Künstliche Intelligenz (KI) wird von immer mehr Künstler:innen thematisch aufgegriffen oder als bidlgebendes Werkzeug genutzt. Was kann Kunst zum tieferen Verständnis von KI beitragen? Welche neuartigen Ästhetiken und Formensprachen entstehen dadurch? Und: Müssen wir mit den selbstlernenden Algorithmen unseren Kreativitäts- und Kunstbegriff überdenken?

Das vierte Podium der »mittendrin«-Reihe diskutierte dies unter dem provokanten Titel der «Poor Intelligence«, der Hito Steyerls Begriff des »poor image« aufgreift.

Mit: Hito Steyerl (Künstlerin, Professorin für Experimentalfilm und Video, Universität der Künste Berlin) und Clemens Apprich (Professor für Medientheorie und Mediengeschichte, Universität für Angewandte Kunst Wien)

Die Veranstaltung fand statt am 15. März 2023 im Kunstmuseum Stuttgart.

03 »Kunst = Aktivismus?«

Kunstwerke haben die Welt nur verschieden gezeigt, es kommt aber darauf an, sie zu verändern. So kann, frei nach Karl Marx, die Prämisse der diesjährigen Großausstellungen von der documenta bis zur Berlin Biennale zusammengefasst werden. Muss die zeitgenössische Kunst zur aktivistischen Praxis werden, um wirksam zu sein? Um welche Wirksamkeit aber geht es? Und was heißt: Aktivismus (in) der Kunst?

Die Veranstaltung fand statt am 7. November 2022 an der Universität Stuttgart.

02 »NFT-Kunst«

Das Thema »Krypto-Kunst« geht in der Kunstwelt zurzeit durch die Decke: Bisher hatte digitale Kunst nicht denselben Wert wie ein Gemälde oder eine Skulptur, weil sie einfach geteilt und vervielfältigt werden kann. Mit der Blockchain-Kultur hat sich das geändert. Was bedeutet es, dass mittlerweile für NFT-Kunst – Kunstwerke mit digitalen Eigentumszertifikaten – auf Auktionen Millionen gezahlt werden?

Mit: Kolja Reichert (Programmkurator Diskurs an der Bundeskunsthalle, Autor des Buchs »Krypto-Kunst«), Michael Lüthy (Professor für Kunstgeschichte der Moderne und der Gegenwart, ABK Stuttgart) und Kerstin Thomas (Professorin für Kunstgeschichte der Moderne, Universität Stuttgart)

Die Veranstaltung fand statt am 4. Juli 2022 an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart.

01 »Künstler:innenhonorare«

Mit: Petra Pfirmann (Künstlerin), Stahl Stenslie (Künstler, Abteilungsdirektor Kulturtanken, Norwegen), Eckhard Priller (Ökonom, Soziologe, wissenschaftlicher Koordinator Maecenata Institut), Barbara Bader (Rektorin ABK Stuttgart), Ulrike Groos (Direktorin Kunstmuseum Stuttgart) und Kerstin Thomas (Professorin für Kunstge­schichte der Moderne, Universität Stuttgart)

Die Veranstaltung fand statt am 27. Juni 2022 im Kunstmuseum Stuttgart.

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